Open Livestock in der Landwirtschaft – Moderne Geflügelhaltung aus der biologischen Perspektive des Huhns

Handlungsfelder

  • Verbesserung des Wohlbefindens des Tieres, des Gesundheits- und Hygienestatus von Betrieben

Aktualisierung zur Buchversion (Stand 14.02.2023)

Tierwohl ist ein Begriff, der die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren maßgeblich geprägt hat. Dabei haben Erkenntnisse aus der Wissenschaft in Kombination mit veränderten Anforderungen der Verbraucher an die moderne Tierhaltung zu strukturellen Veränderungen in der Nutztierhaltung und im speziellen in der Geflügelhaltung geführt. In diesem Zusammenhang sollte im Rahmen des Projekts untersucht werden, wie die Haltungsumwelt von Legehennen in vier Bereichen (Beleuchtung, Sitzstangen, Strukturierung und Luftqualität) an die biologischen Bedürfnisse der Tiere angepasst werden kann, um so das Tierwohl zu erhöhen und in der Folge die Akzeptanz beim Verbraucher zu verbessern.

In einer modernen Volierenhaltung mit angegliedertem Kaltscharrraum wurden in 6 baugleichen Abteilen über 2 Legeperioden hinweg unterschiedliche Parameter variiert und die Auswirkungen der Veränderungen auf tierwohlbezogene Kenngrößen wie die Gesundheit, das Verhalten und die Leistung untersucht. Dabei kamen die in der konventionellen Legehennenhaltung häufig verwendeten Hybridlinien Lohmann Brown, Lohmann Selected Leghorn und Lohmann Sandy zum Einsatz.

Die Projektergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Beleuchtung auf das Verhalten von Geflügel. Durch funktionelle Ausleuchtung verschiedener Funktionsbereiche kann das natürliche Verhaltensrepertoire der Legehennen unterstützt und aktiv beeinflusst werden. Eine Steuerung des Verhaltens der Hennen über das Lichtmanagement kann die Tiere bei der Adaptation an das Haltungssystem unterstützen und unerwünschte Verhaltensweisen, wie das Verlegen von Eiern reduzieren. Eine individuelle Steuerbarkeit (Intensität, Lichtfarbe, Beleuchtungsdauer) der Beleuchtung in den verschiedenen Funktionsbereichen sollte angestrebt werden, um den Bedürfnissen und Anforderungen der Legehennen an ihre Haltungsumwelt noch gerechter zu werden.

In Bezug auf den Bereich Sitzstangen konnte ein asymmetrischer Sitzstangenquerschnitt nicht dazu führen, dass die Ausrichtung der Hennen auf den Sitzstangen (Sitzrichtung) beeinflusst wurde. Es besteht Forschungsbedarf, welche (äußeren) Faktoren die Ausrichtung der Hennen auf den Sitzstangen beeinflussen und wie die Sitzstangen angeordnet werden können, um eine Sitzrichtung „vorzugeben“.

Der Einsatz von unterschiedlichen Strukturierungen im Innen- und Außenbereich des Stalls diente der Raumstrukturierung und der Beschäftigung. Eine Steigerung der Eigewichtsklassen L und XL über vertikale Unterteilungen der Futterkette muss noch in weiteren Untersuchungen validiert werden. Jedoch konnte die Verwendung von Strukturierungselementen im Kaltscharrraum die Nutzung des Kaltscharrraums steigern und Strukturierungselemente mit Futteranreicherung konnten das Auftreten von Federpicken reduzieren. Elemente mit einer Futteranreicherung wurden erwartungsgemäß besonders gut angenommen. Die Individualität der einzelnen Tierherden und deren individuelle Präferenzen stechen in den Ergebnissen besonders hervor und verdeutlichen die Notwendigkeit der Variabilität der Haltungsumwelt, um möglichst vielen Tieren gerecht werden zu können.

In den Untersuchungen dieses Projekts erwies sich Miscanthus als eine geeignete Einstreualternative zu Sägespänen in der Legehennenhaltung und zeichnet sich vor allem als schnell nachwachsender Rohstoff aus. Über die Verwendung von Kunststoffvorhängen vor den Auslauföffnungen können Staubemissionen im Stall reduziert werden, jedoch erhöhen sich hierdurch die Ammoniakemissionen, während die Ansaugung und Umleitung staubbelasteter Luft auf das Kotband Ammoniakemissionen reduzierte und Staubemissionen durch die geänderte Luftführung anstiegen.

Insgesamt unterstreichen die Projektergebnisse die starke Individualität der einzelnen Tierherden, die sich aus den spezifischen Bedürfnissen der Tiere ergeben. Gleichzeitig wird deutlich, dass die technische Ausstattung zukünftiger Stallanlagen die Möglichkeit geben sollte, die verschiedenen Funktionsbereiche unterschiedlich steuern zu können. Hierdurch ist es möglich, den Anforderungen, die die Tiere an diesen (Funktions-)Bereich stellen, besser gerecht zu werden.

Bearbeitungszeitraum
01.08.2018 – 30.06.2022

Weiterführender Internetlink
https://www.usl.uni-bonn.de/pdf/Forschungsbericht%20196.pdf

Forschungsnetzwerk NRW-Agrar